Stalking als Lesestoff
24.Juni 2011Die österreichische Autorin Amaryllis Sommerer ist mit ihrem spannenden und ungewöhnlichen Psychothriller „Selmas Zeichen“ für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert worden. In ihrem Buch geht es um ein Stalker-Szenario das anhand des Bewusstseinsstroms von Täter und Opfer erzählt wird. Die Jury begründete ihre Nominierung als einzige Österreicherin folgendermaßen: „Die Konstruktion erfordert Mut und literarisches Talent. Die Autorin besitzt beides”.
Die Hauptfigur von „Selmas Zeichen“ ist die 38-jährige Ärztin Selma Seiler, die vor zwei Jahren ihre erste Praxis eröffnet hat und nun dank ihres psychisch kranken Nachbarn Herrn Harrlich all ihr Selbstvertrauen verloren hat und es gegen Angst und sogar eine Bereitschaft zu Mord eingetauscht hat. Doch wie konnte das passieren? Das wird anhand von Rückblenden erzählt, sowohl aus der Perspektive des Stalkers, ihrem Nachbarn, als auch aus ihrer Sicht, der des Opfers. Herr Harrlich, ein Mann mittleren Alters, der von seinem Großvater eingetrichtert bekam, dass Frauen, wenn sie „nein“ sagen eigentlich „ja“ meinen“ bedrängt die junge Frau mit Geschenken, aber auch Telefonaten und dringt sowohl in ihre Wohnung als auch in ihre Psyche ein. Am Ende kommt es zu einem ER-oder-ICH Duell dass durch überraschende Wendungen ein noch überraschenderes Ende nimmt.
Das Buch ist aber keinesfalls ein Stalking-Ratgeber, Sommerer hat glücklicherweise noch nichts dergleichen erlebt. Aber der Stoff ist dramaturgisch so gut aufbereitet, mit einem genretypischen Spannungsbogen, das muss man mal gelesen haben.Und trotzdem hat ein Großteil der Taten tatsächlich stattgefunden. Und da in Österreich bereits 2006 das Anti-Stalking Gesetz verabschiedet, war der Gesprächsstoff schonmal sicher.
Da Sommerer auch Drehbuchautorin ist, könnte es sogar sein, dass diese Geschichte auch nochmal verfilmt wird. Aber bis dahin: lesen Sie selbst